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erstellt am 11.10.2021

Von der Theorie zur Praxis Wehrrückbau an der Baunach

Sechs Kilometer frei fließende Flussstrecke in Bayern

Es wird oft und viel diskutiert wie wir den Rückbau von Barrieren auch in Deutschland vorantreiben können.  Mitte September entfernte der WWF Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach das "Leucherhof"-Wehr an der Baunach. So hat der WWF Deutschland die Theorie nun in die Praxis umgesetzt, nachdem diskutiren alleine keinem Fisch neunen Lebensraum erschließt.
Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben: den Spender:innen, Tagungspartnern, die Restmittel der Tagung “Dam Removal goes Alps 2021” in den Rückbau gesteckt haben, und engagierten Mitarbeiter:innen des WWA Kronach.

Trotz ihres teilweise unberührten Verlaufs leidet die Baunach unter Sedimenteinträ-gen aus den umliegenden Feldern und der Zerschneidung durch Querbauwerke. Das "Leucherhof"-Wehr wurde früher zur Be- und Entwässerung von Wiesen genutzt, hatte aber längst seinen Nutzen verloren. Eigentlich hätte der ursprüngliche Besitzer, eine Wiesenbewässerungsgenossenschaft, das Wehr abbauen müssen, nachdem es nicht mehr benötigt wurde. Aber die Genossenschaft ist seit langem nicht mehr aktiv, sie existierte nur noch auf dem Papier. Niemand fühlte sich verantwortlich, einzugrei-fen und Geld zu investieren, um der Natur ein Stück Freiheit zurückzugeben.

Die Baggerarbeiten
Mitte September begannen die vom Wasserwirtschaftsamt in Auftrag gegebenen und vom WWF Deutschland finanzierten Baggerarbeiten im Fluss. Das Wehr bestand aus einer Bodenplatte im Wasser, zwei uferseitigen Wehrwangen und zwei Säulen in der Mitte des Flusses. Stein für Stein wurde abgetragen, bis die Barriere verschwunden war, und das Wasser nach fast 150 Jahren wieder frei fließen konnte. Was für ein Ge-fühl der Freiheit! Freiheit für den Fluss, der sich frei entfalten kann. Freiheit für die Fische, die nun wieder ungehindert wandern können. Und Freiheit für die Menschen, die jetzt am Ufer des Flusses sitzen und die natürlichen Veränderungen des Lebens-raumes und seine Wechselwirkung mit der Aue beobachten können.
Um den Wasserstand anzuheben und weitere Strukturen im Fluss zu schaffen, wurde das Gestein des abgerissenen Bauwerks zerkleinert und unterhalb des ehemaligen Wehres zu sieben Spornen aufgehäuft. Man darf gespannt sein, wie sich die Strecke künftig entwickelt: Welche Fischarten profitieren? Welche Libellen stellen sich ein? Und wird der Eisvogel bald seine Bruthöhlen am steilen Flussufer anlegen?

 

Was wir erreicht haben und was noch zu tun ist
Nach dem Rückbau Mitte September ist eine freie Fließstrecke von mehr als sechs Ki-lometern entstanden – bis zum nächsten Wehr, das den Fischen noch immer den Weg in den Main versperrt. Mit der Entfernung des "Leucherhof" Wehrs ist erst der Anfang gemacht, weitere Rückbauten sollen folgen – in Bayern und andernorts.

An den bayerischen Flüssen gibt es fast 6600 Wehre, von denen über 900 baufällig sind. Vermutlich werden viele dieser baufälligen Barrieren nicht mehr genutzt. Sie könnten die ersten sein, die entfernt werden. Ein staatlicher Rückbaufonds wäre drin-gend notwendig, um Barrieren Dritter beseitigen zu können, für die niemand belangt werden kann oder deren Rückbau nachweislich eine zu hohe Belastung für die jeweili-gen Eigentümer:innen darstellen würde. Wir hoffen, dass das Baunach-Projekt ein Startschuss für Rückbaumaßnahmen in ganz Bayern bzw. Deutschland wird.
Für frei fließende Flüsse ein Gewinn für Natur und Mensch!


Literaturhinweise und Links
Information zu den Aktivitäten des WWF Deutschland bzgl. Rückbau von Barrieren: https://www.wwf.de/fluesse-befreien
WWF-Hintergrundpapier zu Barrieren in den bayerischen Flüssen: „Lasst den Flüssen ihren Lauf“ (August 2020)
Forderungen der Naturschutzverbände für lebendige Flüsse in Bayern: Forderungen an die Politik (November 2020)
Der Rückbau an der Baunach war Teil einer europaweiten Crowdfunding-Aktion für frei fließende Flüsse: LET’S UNLOCK RIVERS TOGETHER! (wnf.nl)

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