Beweidung

Beweidung im Naturpark Haßberge

 

Der Erhalt und Schutz des abwechslungsreichen Landschaftbildes geschieht größtenteils durch die Landschaftspflege. Langfristig aber soll versucht werden, die Flächen wieder extensiv zu nutzen und mit Hilfe eines Beweidungskonzeptes die Hüteschaf- und Ziegenhaltung auf größere Flächen auszuweiten. Die regionale Vermarktung von gesundem Obst, Schaf- Ziegen -und Rindfleisch sind weitere Ziele für die Zukunft. 

 

Beweidung mit Schafen

 

Einsatz in der Landschaftspflege - Haltungsformen, Weideführung, Eignung

Viele Biotoptypen (z.B. Magerrasen und Feuchtwiesen) sind durch jahrhundertelange Schafbeweidung - vor allem durch Wanderschäferei - entstanden; entsprechend eignet sich die Schafbeweidung insbesondere, um diese Biotoptypen zu erhalten. Schafe eignen sich - je nach Rasse - zur Pflege fast aller Flächen, von ebenem bis zu steilem Gelände, von trockenen bis zu nassen Standorten und selbst für Flächen mit geringstem Futterertrag. Aufgrund der geringen Trittbelastung durch die Schafbeweidung besteht kaum Erosionsgefahr. Spezielle Naturschutzziele können durch die Möglichkeit des flexiblen und unterschiedlich intensiven Abhütens erreicht werden. Durch den Einsatz der Schippe kann der Schäfer bei der Dauerpflege mitwirken, indem er für ihn unerwünschte Arten wie Distel oder Gehölzjungwuchs aussticht bzw. abhackt (LOHRMANN 1956 in SCHUMACHER, MÜNZEL UND RIEMER 1995).


Haltungsformen

Besonders zur Landschaftspflege geeignet ist die Wanderschäferei, da die Schafe in Fell, Hufen und Kot Pflanzen(-Samen) und kleine Tiere (Schnecken, Heuschrecken, Eidechsen etc.) transportieren, so dass sich diese Arten durch die Schafe ausbreiten und Isolationseffekte, die in unserer stark fragmentierten Landschaft zunehmend das Überleben von Arten gefährden, vermindern (FISCHER, POSCHLOD UND BEINLICH 1995: 229ff). Außerdem kommt es durch den Nährstofftransfer von den Weideflächen auf die Pferchflächen zur gewünschten Aushagerung. Aber auch die Hüteschafhaltung wirkt sich sehr positiv in der Landschaftspflege aus, da für die Winterstallhaltung Heu benötigt wird, das unter Umständen von vielerorts aus der Nutzung fallenden mageren Salbei-Glatthaferwiesen gewonnen werden kann - so werden praktisch „zwei Fliegen mit einer Klappe" geschlagen. Koppelhaltung wird für landschaftspflegerische Zwecke im allgemeinen kritisch gesehen, da hier die Gefahr der Überdüngung und zu starken Beweidung gesehen wird. Bei gutem Weidemanagement (extensive Beweidung) ist die Koppelschafhaltung durchaus auch für die Landschaftspflege in Erwägung zu ziehen.

 

Beweidung mit Ziegen

 

Eignung zur Landschaftspflege

 

Ziegen im allgemeinen sind geländegängig, kletter-, marsch- und bewegungsfreudig, können auch steile und felsige Hanglagen beweiden und erreichen Blätter und Zweige von Büschen und Bäumen bis in 2 m Höhe, die bis zu 40% ihrer Futterration ausmachen können. Entsprechend eignen sich Ziegen vor allem zur Erstpflege, zum Eindämmen und Beseitigen von Verbuschung und zur Schaffung einer größeren Heterogenität auf der Fläche (Tritt, Ausbildung von Totholz, Verschiebung des Blühzeitpunktes der beweideten Pflanzen).

Die besten Effekte werden mit einer kurzen aber intensiven Beweidung erzielt. Bäume bzw. Sträucher, die erhalten werden sollen, müssen ausgezäunt werden. Untersuchungen zur Ziegenbeweidung auf der Wart bei Königsberg ergaben ausschließlich positive Ergebnisse.

 

 

Beweidung mit Rindern

 

Eignung zur Landschaftspflege

 

Die Auswirkungen der Beweidung durch Rinder sind prinzipiell unterschiedlich zu denen anderer Weidetiere. So ist die Trittbelastung aufgrund des Körpergewichts i.d.R. eher hoch, wogegen das Fressverhalten weniger selektiv als z.B. bei Schafen ist, das Futteraufnahmespektrum allerdings im Wesentlichen auf krautige Pflanzen und Gräser beschränkt ist. Für die Beweidung mit Rindern prädestiniert sind natürlich vor allem solche Standorte, die durch Rinderbeweidung entstanden sind. Grundsätzlich und sofern ein geeignetes Weidemanagement vorausgesetzt wird, sind jedoch alle Rinderrassen zur Landschaftspflege geeignet. Nichtsdestotrotz gibt es Rinderrassen und Haltungsformen, die besser geeignet sind als andere. Eine Hochleistungsmilchkuh wird mit dem Aufwuchs einer Landschaftspflegefläche kaum die erwünschte Leistung erbringen. So eignen sich zur Landschaftspflege vor allem die extensive - d.h. wenig arbeitsaufwändige - Mutterkuh- und Weideochsenhaltung, Jungtieraufzucht und Pensionsviehhaltung. Hierfür eignen sich wiederum v.a. Zweinutzungs- und Fleischrassen, die sich durch folgende Eigenschaften auszeichnen:

 

- Wetterhärte (daher ganzjährige Freilandhaltung möglich);

- Anpassungsfähigkeit an den jeweiligen Standort bzw. wechselndes Futterangebot;

- Gutes Trittverhalten (z.B. durch geringes Körpergewicht und/ oder breite Klauen);

- Geringer Betreuungsaufwand;

- Gutmütigkeit